Warum uns die Gefühle unserer Kinder manchmal so schwer fallen
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Warum uns die Gefühle unserer Kinder manchmal so schwerfallen

Warum uns die Gefühle unserer Kinder manchmal so schwerfallen

Wenn unser Kind traurig ist, wütend wird oder enttäuscht reagiert, möchten wir oft möglichst schnell helfen.

Wir trösten, erklären, relativieren oder versuchen, das Gefühl irgendwie kleiner zu machen.

Dann sagen wir Sätze wie:

„Ist doch nicht so schlimm.“

„Du musst doch nicht traurig sein.“

„Jetzt beruhig dich erstmal.“

„Dafür musst du doch nicht gleich weinen.“

Meistens sind solche Sätze nicht böse gemeint. Im Gegenteil: Wir möchten, dass es unserem Kind schnell wieder besser geht.

Doch manchmal steckt hinter diesem Wunsch, ein Gefühl möglichst schnell zu beenden, noch etwas anderes:

Vielleicht fällt uns dieses Gefühl selbst schwer.

Gefühle unserer Kinder

Wir begleiten unsere Kinder mit unserer eigenen Geschichte

Als Eltern beginnen wir nicht bei null.

Wir bringen mit, was wir selbst über Gefühle gelernt haben.

Vielleicht haben wir als Kinder gehört:

„Stell dich nicht so an.“

„Sei nicht so empfindlich.“

„Hör auf zu weinen.“

„Du musst auch mal etwas aushalten.“

Vielleicht war Wut unerwünscht. Traurigkeit sollte schnell verschwinden. Angst wurde kleingeredet. Enttäuschung musste man wegstecken.

Nicht unbedingt, weil unsere Eltern uns absichtlich verletzen wollten. Vielleicht kannten sie es selbst nicht anders.

Trotzdem lernen Kinder aus solchen Erfahrungen.

Sie lernen zum Beispiel:

Traurigkeit sollte man möglichst schnell überwinden.

Wut macht Schwierigkeiten.

Angst sollte man besser nicht zeigen.

Bestimmte Gefühle sind unangenehm – für mich und für andere.

Und manchmal nehmen wir genau diese Botschaften mit ins Erwachsenenleben.

Gefühle unserer Kinder

Das Kind zeigt, was wir selbst vielleicht nicht zeigen durften

Unsere Kinder gehen mit ihren Gefühlen oft viel unmittelbarer um.

Sie weinen, wenn sie traurig sind.

Sie protestieren, wenn sie wütend sind.

Sie zeigen ihre Enttäuschung deutlich.

Und genau das kann etwas in uns auslösen.

Vielleicht trifft die Wut unseres Kindes auf unsere Erfahrung, dass Wut nicht erwünscht war.

Vielleicht macht uns sein Weinen hilflos, weil wir selbst gelernt haben, schnell wieder zu funktionieren.

Vielleicht wollen wir seine Angst sofort wegreden, weil Angst für uns selbst schwer auszuhalten ist.

Dann denken wir möglicherweise:

„Warum reagiert es denn so extrem?“

„So schlimm ist das doch gar nicht.“

„Jetzt muss aber auch mal gut sein.“

Dabei ist vielleicht gar nicht das Gefühl unseres Kindes das eigentliche Problem.

Vielleicht ist es unser eigener Umgang damit.

Warum wir Gefühle so schnell wegmachen wollen

Wenn uns ein Gefühl unangenehm ist, möchten wir oft möglichst schnell wieder Ruhe herstellen.

Dann erklären wir:

„Dafür gibt es doch keinen Grund.“

Wir relativieren:

„Andere haben es viel schlimmer.“

Oder wir lenken ab:

„Komm, wir machen jetzt etwas Schönes.“

Das kann gut gemeint sein.

Aber manchmal versuchen wir damit nicht nur, unserem Kind zu helfen.

Wir versuchen auch, unsere eigene Anspannung loszuwerden.

Denn solange das Kind traurig, wütend oder ängstlich ist, müssen auch wir dieses Gefühl aushalten.

Und genau das haben viele von uns selbst nie richtig gelernt.

Wenn Gefühle keinen Platz haben

Werden Gefühle immer wieder kleingeredet oder als falsch dargestellt, spricht man in der Psychologie von emotionaler Invalidierung.

Das klingt kompliziert, meint aber etwas sehr Alltägliches.

Ein Kind erlebt zum Beispiel Traurigkeit – und hört:

„Dafür musst du doch nicht traurig sein.“

Das Gefühl verschwindet dadurch nicht automatisch.

Das Kind könnte aber lernen:

„Vielleicht ist mein Gefühl falsch.“

Oder:

„Ich sollte das lieber nicht zeigen.“

Genau solche frühen Botschaften können später dazu führen, dass wir unsere eigenen Gefühle eher wegdrücken als wirklich wahrnehmen.

Und dann ist es nur logisch, dass es uns schwerfallen kann, wenn unser Kind genau diese Gefühle offen zeigt.

Es lohnt sich, bei uns selbst hinzuschauen

Dabei geht es nicht darum, sich Vorwürfe zu machen.

Viel hilfreicher sind Fragen wie:

Welches Gefühl meines Kindes fällt mir besonders schwer?

Ist es Wut?

Traurigkeit?

Angst?

Enttäuschung?

Und was habe ich selbst über dieses Gefühl gelernt?

Was wurde mir früher gesagt?

Was passierte, wenn ich dieses Gefühl gezeigt habe?

Was hätte ich vielleicht damals gebraucht?

Manchmal verstehen wir dadurch plötzlich besser, warum uns bestimmte Situationen so stark berühren.

Wir reagieren dann nicht nur auf das, was gerade vor uns passiert.

Unsere eigene Geschichte sitzt ein Stück weit mit am Tisch.

Was sich dadurch verändern kann

Allein dieses Bewusstsein kann schon etwas verändern.

Vielleicht denken wir beim nächsten Mal nicht sofort:

„Mein Kind übertreibt.“

Sondern:

„Seine Traurigkeit macht mich gerade sehr hilflos.“

Oder:

„Diese Wut löst in mir sofort Stress aus.“

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Denn dann können wir das Gefühl des Kindes etwas besser von unserer eigenen Reaktion darauf trennen.

Wir müssen es nicht sofort wegmachen.

Vielleicht reicht zunächst:

„Du bist gerade wirklich traurig.“

Oder:

„Ich merke, dass dich das sehr wütend macht.“

Nicht als perfekte pädagogische Technik.

Sondern als Zeichen:

Dein Gefühl darf gesehen werden.

Kinder brauchen keine perfekten Eltern

Kinder brauchen keine perfekten Eltern

Wir werden trotzdem nicht immer richtig reagieren.

Manchmal sind wir müde, gestresst oder überfordert.

Manchmal rutscht uns ein Satz heraus, den wir eigentlich gar nicht sagen wollten.

Das gehört dazu.

Kinder brauchen keine Eltern, die immer alles richtig machen.

Sie brauchen Erwachsene, die bereit sind, hinzuschauen.

Die merken:

„Da hat gerade etwas in mir reagiert.“

Die Verantwortung übernehmen können.

Und die bereit sind, etwas neu zu lernen, das ihnen selbst vielleicht nie beigebracht wurde.

Denn wenn wir unsere eigenen Gefühle besser verstehen, können wir vielleicht auch die Gefühle unserer Kinder leichter aushalten.

Nicht immer.

Nicht perfekt.

Aber ein kleines bisschen bewusster.

Und manchmal beginnt Veränderung genau dort.

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