Übergänge bei Kindern begleiten: So geben wir ihnen Sicherheit beim Schulstart und Schulwechsel
Übergänge bei Kindern begleiten:
Ein neuer Schulranzen steht bereit. Die Schultüte ist vielleicht schon gepackt. Oder die neue Busverbindung zur weiterführenden Schule wurde längst herausgesucht.
Eigentlich könnte die Vorfreude beginnen.
Und trotzdem verändert sich das Kind plötzlich.
Es ist schneller wütend. Anhänglicher als sonst. Zieht sich zurück. Kann abends schlechter einschlafen oder klagt immer wieder über Bauchweh.
Gerade wenn ein neuer Lebensabschnitt bevorsteht, zeigen Kinder nicht immer nur Vorfreude.
Denn Übergänge bedeuten Veränderung – und Veränderung kann verunsichern.
Ob vom Kindergarten in die Grundschule, von der Grundschule auf die weiterführende Schule oder beim Wechsel einer Klasse oder Gruppe: Kinder müssen sich von etwas Vertrautem verabschieden und gleichzeitig auf etwas Neues einlassen.
Das braucht Zeit.
Warum Übergänge bei Kindern so herausfordernd sein können
Für uns Erwachsene wirken manche Veränderungen überschaubar.
Eine neue Schule. Andere Lehrerinnen und Lehrer. Ein neuer Klassenraum.
Für ein Kind kann dahinter jedoch sehr viel mehr stecken:
Was, wenn ich niemanden kenne?
Was, wenn ich etwas nicht kann?
Finde ich Freunde?
Wie finde ich meinen Klassenraum?
Was ist, wenn ich etwas falsch mache?
Wer hilft mir, wenn ich unsicher bin?
Gerade jüngere Kinder können solche Gedanken häufig noch nicht klar benennen. Ihre Unsicherheit zeigt sich dann manchmal an ganz anderer Stelle.

Wenn Unsicherheit plötzlich wie Wut aussieht
Nicht jedes Kind sagt:
„Ich habe Angst vor der neuen Schule.“
Manche Kinder werden stattdessen plötzlich wütender.
Andere ziehen sich zurück oder suchen stärker die Nähe ihrer Eltern.
Auch körperliche Beschwerden wie Bauchweh, Kopfschmerzen oder Schwierigkeiten beim Einschlafen können in aufregenden Zeiten auftreten.
Typische Reaktionen rund um einen bevorstehenden Schulstart oder Schulwechsel können zum Beispiel sein:
- stärkere Anhänglichkeit
- Unruhe
- Gereiztheit oder Wut
- Rückzug
- schlechteres Einschlafen
- viele Fragen
- Bauchweh
- der Wunsch, dass alles so bleibt wie bisher
Das bedeutet nicht automatisch, dass etwas nicht stimmt.
Es kann schlicht bedeuten:
Da passiert gerade sehr viel im Inneren dieses Kindes.
Und genau dann brauchen Kinder nicht noch mehr Druck, sondern Sicherheit.
Übergang vom Kindergarten in die Schule: Zwischen Stolz und Unsicherheit
Der erste Schultag ist für viele Familien ein großes Ereignis.
Doch während Erwachsene häufig vor allem die Schultüte, den Schulranzen und die Einschulung sehen, erlebt das Kind gleichzeitig einen echten Abschied.
Es verlässt möglicherweise eine vertraute Kita.
Bekannte Erzieherinnen und Erzieher.
Räume, Abläufe und Kinder, die es teilweise seit Jahren kennt.
Plötzlich kommen neue Regeln, neue Menschen und neue Erwartungen hinzu.
Deshalb dürfen beide Gefühle gleichzeitig da sein:
„Ich freue mich auf die Schule.“
und
„Ich möchte eigentlich gar nicht, dass sich etwas verändert.“
Kinder müssen sich nicht für eines dieser Gefühle entscheiden.

Der Wechsel auf die weiterführende Schule ist ebenfalls ein großer Schritt
Auch ältere Kinder brauchen bei Übergängen Begleitung.
Nach vier Jahren Grundschule beginnt mit der weiterführenden Schule erneut etwas völlig Neues.
Das Gebäude ist häufig größer.
Es gibt mehr Lehrerinnen und Lehrer.
Stundenpläne werden komplexer.
Vielleicht fahren die Kinder zum ersten Mal allein mit Bus oder Bahn.
Gleichzeitig verändert sich auch sozial sehr viel.
Freundschaften aus der Grundschule bleiben vielleicht bestehen – oder die Kinder kommen in unterschiedliche Klassen und Schulen.
Von außen wirken Fünftklässler oft schon erstaunlich selbstständig.
Innerlich können sie trotzdem verunsichert sein.
Gerade deshalb lohnt es sich, auch bei älteren Kindern genauer hinzuschauen.
Nicht jedes Kind erzählt von selbst, wenn es Sorge vor dem Schulwechsel hat.
Was Kindern bei Übergängen hilft
Wir können Kindern nicht jede Unsicherheit abnehmen.
Und das müssen wir auch gar nicht.
Viel wichtiger ist, ihnen das Gefühl zu geben:
Du musst da nicht alleine durch.

1. Gefühle ernst nehmen
Sätze wie
„Du brauchst doch keine Angst zu haben.“
oder
„Das wird schon.“
sind lieb gemeint.
Sie können beim Kind aber ankommen wie:
„Mein Gefühl ist eigentlich unnötig.“
Hilfreicher kann sein:
„Ich merke, dass dich das gerade beschäftigt.“
oder:
„Es ist okay, wenn du dich freust und gleichzeitig ein bisschen unsicher bist.“
Damit verschwindet die Unsicherheit nicht sofort.
Aber das Kind erlebt:
Mein Gefühl darf da sein.
2. Neues vorhersehbarer machen
Unbekanntes verliert häufig etwas von seinem Schrecken, wenn Kinder wissen, was ungefähr auf sie zukommt.
Je nach Alter kann es helfen:
- den Schulweg gemeinsam abzugehen oder abzufahren
- das Schulgebäude bei Gelegenheit anzuschauen
- über den ungefähren Tagesablauf zu sprechen
- gemeinsam zu überlegen, was am ersten Tag passiert
- wichtige Dinge rechtzeitig vorzubereiten
Dabei geht es nicht darum, jede mögliche Situation vorwegzunehmen.
Ein grober Rahmen reicht häufig schon.
3. Kleine Erfolgserlebnisse ermöglichen
Selbstvertrauen wächst besonders dann, wenn Kinder erleben:
Ich kann etwas selbst schaffen.
Vielleicht trägt das Kind seinen Schulranzen selbst.
Findet den Weg zum Klassenraum.
Bestellt beim Bäcker allein.
Packt die Schulsachen für den nächsten Tag.
Oder fährt nach einiger Zeit eine Strecke selbstständig.
Solche kleinen Erfahrungen vermitteln:
„Auch wenn etwas neu ist, kann ich damit umgehen.“
4. Nicht jede Unsicherheit sofort lösen
Wenn wir merken, dass unser Kind verunsichert ist, möchten wir häufig schnell helfen.
Doch nicht jede schwierige Situation muss sofort von Erwachsenen gelöst werden.
Manchmal reicht es, da zu sein.
Zuzuhören.
Nachzufragen.
Und gemeinsam zu überlegen:
„Was könnte dir helfen?“
So erlebt das Kind nicht nur Unterstützung, sondern gleichzeitig eigene Handlungsfähigkeit.
5. Vertrautes beibehalten
Wenn außen gerade vieles neu wird, können vertraute Rituale besonders wertvoll sein.
Das gemeinsame Abendessen.
Die Geschichte vor dem Schlafengehen.
Ein bestimmtes Wochenendritual.
Oder einfach eine ruhige halbe Stunde zu Hause.
Kinder brauchen in Phasen großer Veränderung nicht zwangsläufig noch mehr Programm.
Manchmal brauchen sie vor allem einen sicheren Gegenpol zum Neuen.
Auch unsere eigene Haltung spielt eine Rolle
Übergänge beschäftigen nicht nur Kinder.
Auch Eltern fragen sich:
Wird mein Kind klarkommen?
Findet es Freunde?
Ist die Schule die richtige?
Wird es den Anforderungen gerecht?
Kinder nehmen unsere Stimmung oft sehr genau wahr.
Das bedeutet nicht, dass wir immer vollkommen entspannt sein müssen.
Aber wir dürfen darauf achten, unsere eigenen Sorgen nicht unbewusst zu den Sorgen unseres Kindes zu machen.
Denn zwischen
„Ich bin gespannt, wie es für dich wird – und wir schauen gemeinsam.“
und
„Hoffentlich klappt das alles.“
liegt für ein Kind manchmal ein großer Unterschied.
Übergänge brauchen keine perfekten Eltern
Wir müssen nicht auf jede Frage die richtige Antwort kennen.
Wir müssen unseren Kindern auch nicht jede Schwierigkeit ersparen.
Was Kinder in solchen Phasen viel mehr brauchen, sind Erwachsene, bei denen sie spüren:
Ich werde gesehen.
Meine Gefühle dürfen da sein.
Ich bekomme Unterstützung, wenn ich sie brauche.
Und:
Mir wird zugetraut, dass ich diesen neuen Schritt schaffen kann.
Denn innere Stärke entsteht nicht dadurch, dass Kinder nie unsicher sind.
Sie wächst dort, wo Kinder erfahren:
Auch wenn etwas neu und manchmal schwierig ist, bin ich nicht allein – und ich kann daran wachsen.
Vielleicht endet gerade wirklich ein Kapitel
Der Kindergarten.
Die Grundschule.
Eine vertraute Klasse.
Eine Gruppe.
Und das darf sich gleichzeitig aufregend, schön, traurig und beängstigend anfühlen.
Übergänge brauchen Zeit.
Nicht jedes Kind startet voller Vorfreude in etwas Neues.
Manche brauchen erst ein wenig Sicherheit, bevor die Neugier wachsen kann.
Und genau dabei können wir sie begleiten.
Mutig denken. Gelassen wachsen.
